Alexander Gulentz – Das erwartet den SEO in der Zukunft

Alexander Gulentz ist als GeschĂ€ftsfĂŒhrer DACH bei Piwik PRO tĂ€tig. Er blickt auf mehr als 10 Jahre Webanalyse-Know-how zurĂŒck. In dieser Zeit hat er Erfahrungen mit den unterschiedlichsten Tools gesammelt. Er ist ein Freund von Innovationen und UnterstĂŒtzer guter Ideen. Der Weiterentwicklung von Piwik PRO von einer on-premises Analytics-Software zu einer Marketing-Suite blickt er freudig entgegen.

Dieses Jahr spricht er am 12.10.2017 bei uns auf dem SEO-DAY – der grĂ¶ĂŸten Konferenz fĂŒr Suchmaschinenoptimierung – im Kölner Rheinenergiestadion.

Wir haben Alexander Gulentz, interviewt und fĂŒr euch die SEO-Trends 2017 erfragt.

Fabian: Welche Tipps wĂŒrdest Du geben, wenn es darum geht, den Quellcode der Website, Seo optimiert zu gestalten?

Alexander: Ein sauberer Quellcode ist natĂŒrlich das A und O einer Website, um sie technisch fĂŒr die Suchmaschinen-Optimierung vorzubereiten und Google den besten Zugang zu relevanten Webseiten und Content zu geben. HTML, CSS und JavaScript sollten gut strukturiert sein, die Seiten sauber mit H1, H2, 
, mit Title und Description ausgestattet sein. Und schema.org Mark-Ups sollten sinnvoll gewĂ€hlt und eingesetzt werden. Die technischen SEO-Aufgaben sind elementare Basics, damit Google die Website als “accessible” und “userfriendly” einstuft. Das GrundgerĂŒst muss stimmen und ein schneller Zugang möglich sein. Anschließend kann der implementierte Content fĂŒr entsprechende Keyword-Rankings sorgen und mit anderen Websites, um User konkurrieren. Auch auf die interne Verlinkung sollte man besonders Acht geben. Die Informations-Architektur fĂŒhrt Google ĂŒber die Seite und gibt eine Richtung vor, welche Webseiten als besonders relevant eingestuft werden. Hier sollte man sich von Anfang an bewusst machen, wie man den geliebten “Link Juice” auf der Website am besten verteilt.

Fabian: Gibt es Änderungen die Google in den letzten oder auch in diesem Jahr durchgefĂŒhrt hat, auf die man aus technischer Sicht reagieren sollte?

Alexander: Zum einen wird Google immer besser JavaScript auszulesen und zu interpretieren. Hier sollte sauber gearbeitet werden. Man sollte kein Versteckspiel mit Google treiben. Das könnte am Ende zu Ranking-Verlusten fĂŒhren, da Google versteckte Inhalte aufspĂŒrt und fĂŒr User als schwer zugĂ€nglich oder negativ bewertet. Zum anderen stuft Google https immer wichtiger ein und wird es zukĂŒnftig auch in den SERPs ausweisen. Hier sollten Website-Betreiber zeitnah eine Umstellung planen, wenn sie bisher nur auf http setzten. Transaktionale Webseiten sind hier meist schon einen Schritt weiter, da Shops usw. bereits verschlĂŒsselt werden mĂŒssen. Eine Komplettumstellung der gesamten Seite sollte schnell realisiert werden.

Fabian:Daten sammeln ist das Eine, doch wie nutzt man diese mehrwertbringend fĂŒr die SEO-Optimierung?

Alexander:Analytics-Daten sind eine wichtige Informationsquelle, um seine Arbeit zu bewerten und neue Maßnahmen zu ergreifen. Mit den Analytics-Daten sollten SEOs zum einen die QualitĂ€t des organischen Traffics bewerten können und zum anderen Fehlerquellen identifizieren. 404-Fehler lassen sich mit einem Goal-Report schnell identifizieren, ohne die Search Console zu konsultieren. Der Vorteil: Es handelt sich bei den 404-Aufrufen in den Analytics-Daten immer um echte User und keine Google-Bots, die gelöschte Seiten wieder hochspĂŒlen. Durch eine sinnvolle Segmentierung lĂ€sst sich der organische Traffic bewerten. Verweildauer von Einstiegsseiten, Absprungraten und Makro- und Mikro-Conversions können vom SEO ĂŒberprĂŒft werden, um RĂŒckschlĂŒsse auf die Content-QualitĂ€t zu machen. Ebenso die qualitative Analyse von Backlinks sollten ĂŒber Analytics-Daten abgefragt werden. In das Tool-Set eines SEOs gehört entsprechend immer ein Analytics-System. Wenn man sich Goals, Dashboards und Reports anlegt, findet das Monitoring automatisiert statt und man kann seine Erkenntnisse in neue Maßnahmen ĂŒbertragen.

Fabian:Welchen Einfluss /Folgen auf den Entwicklungsprozess einer Website hat Deiner Meinung nach Mobile-first?

Alexander:Ich bin mir nicht sicher, ob mobile first fĂŒr alle Unternehmen ĂŒberhaupt der richtige Ansatz ist. Ich plĂ€diere eher dafĂŒr, immer den User in den Mittelpunkt zu stellen und seine Nutzungssituation mit der Strategie des Unternehmens zu verbinden und in Einklang zu bringen. Es ist völlig klar, dass ich einen mobile User mit einer anderen Informations-Architektur begegnen muss, als einem User, der gerade an seinem 27” Monitor am Desktop sitzt. Der Aufwand im Entwicklungsprozess ist deutlich gestiegen und muss simultan erfolgen. Es darf keinen Bruch in der Kommunikation geben. Die User Journey auf dem Smartphone oder Tablet muss klare Wege vorgeben. Auf dem Desktop kann ich auch einmal Weichen stellen und neben meinem Hauptangebot auch NebenschauplĂ€tze prĂ€sentieren, die dann wiederum auf eins meiner untergeordneten Ziele einzahlen. Ich muss dafĂŒr sorgen, den User zu fĂŒhren und seine Intention zu erfĂŒllen. Vorausgesetzt sie steht im Einklang mit den Zielen, die meine Website fĂŒrs Unternehmen erfĂŒllen soll.

Fabian:Google-AMP – Eine neue Modeerscheinung oder die Zukunft des Mobile?

Alexander:Google möchte uns natĂŒrlich suggerieren, dass AMP der Weisheit letzter Schluss fĂŒr mobile ist. Ich bin da eher skeptisch und schlage mich auf die Seite von Jens Fauldrath. Schnelle Ladezeiten fĂŒr mobile und eine gute Performance erreiche ich auch mit sauberen HTML-Code und optimiertes Laden von Ressourcen wie JavaScript u.Ă€, da hier noch jede Menge Optimierungspotenzial verborgen liegt. Und die BeschrĂ€nkungen sind enorm. Es ist eher ein RĂŒckschritt. Außerdem gibt jeder Content-Inhaber beim Einsatz von AMP das Zepter aus der Hand und macht sich von Google abhĂ€ngig. Wenn ich kein Publisher bin, wĂŒrde mich das Thema im Moment noch sehr kalt lassen. Hier muss man keine zusĂ€tzlichen Ressourcen investieren.

Denn AMP bedeutet definitiv: Mehraufwand.

Als Publisher sieht die Sache leider anders aus. Hier bestimmt Google schon sehr deutlich, wer bei News vorne in die Rankings kommt. Diese sind eindeutig AMP dominiert. Inwieweit Google es schafft auch in anderen Branchen “AMP first” auszurufen und den Einsatz zu beeinflussen, mĂŒssen wir achtsam beobachten. Das Thema sollte man keineswegs einfach ad acta legen, sonder immer auf dem Radar behalten. Die einschlĂ€gigen Google Blogs sollte man hier verfolgen und die Aussagen von John Mueller & Co.

Fabian:Was wĂŒrdest Du einem Online-Shop-Betreiber fĂŒr das SEO-Controlling raten? Welche KPI sollten regelmĂ€ĂŸig ĂŒberwacht werden?

Alexander:Die KPIs weichen von klassischen Shop-KPIs nicht ab. Der organische Traffic muss segmentiert werden und autark betrachtet werden. Anschließend ist es wichtig, seinen organischen Traffic mit anderem Trafficquellen wie Paid Media oder Social Media KanĂ€le oder anderen Marketing-Kampagnen zu vergleichen und den Beitrag zum Gesamtumsatz zu ermitteln. Wenn mein SEO-Traffic beispielsweise eine deutlich geringere Conversion Rate hat als andere Trafficquellen, sollte ich genauer untersuchen, ĂŒber welche Keywords und Einstiegsseiten mein Traffic generiert wird und warum es zu hohen AbsprĂŒngen und geringerer Conversion kommt. Hier entdeckt man dann hĂ€ufig Rankings, die fĂŒr das Unternehmen völlig irrelevant sind und eher abgebaut werden sollten. Identifiziert man dann parallel die guten transaktionalen Keyword-Rankings, kann man hier mit einer Content-Optimierung bzw. Erweiterung entgegen wirken.

Fabian:Google-Tag Manager – Sollte man diesen auf jeden Fall nutzen oder können Websitebetreiber getrost darauf verzichten?

Alexander:Einen Tag Manager sollte unbedingt jeder Online-Marketer, Digital-Analyst oder SEO in seinem Tool-Set fest verankern und das Analytics-System und sein Marketing steuern. Welche Vorteile ein Tag Manager hat und wofĂŒr er unbedingt eingesetzt werden sollte, haben wir fĂŒrs Ryte Magazin ausfĂŒhrlich aufgeschrieben (https://de.ryte.com/magazine/tag-manager-so-hebst-du-deine-webanalyse-auf-das-naechste-level) und in unserem Blog zahlreiche Best Practices dokumentiert. https://piwikpro.de/blog/category/tag-manager/

Ob es unbedingt der Google Tag Manager sein muss sei Mal dahingestellt.

Wenn man bereits im Google-Ökosystem verortet ist, macht es sicherlich Sinn ihn auszuprobieren und ihn mit den anderen Googl Services zu verknĂŒpfen. Es gibt aber noch einige beachtenswerte Alternativen auf dem Markt, die einen höheren Leistungsumfang bieten. Wir haben den Google Tag Manager mit den fĂŒhrenden Anbietern einmal vergleichen. https://campaign.piwikpro.de/tag-manager-anbieter-vergleich/

Wenn man aus der Privacy-Compliance-Sicht auf das Thema schaut, sollte man auch bei einem Tag Manager darauf achten, dass er datenschutzkonform eingesetzt wird und am besten on-premises auf einem eigenen Server gehostet werden kann. Ein Tag-Management-System ist fĂŒr Unternehmen, die datengetriebene Entscheidungen treffen wollen, definitiv kein nice to have, sondern ein Must have. Ein Tag Manager spart Zeit, IT-Ressourcen und verhilft zu einer umfangreichen und zugleich detaillierten Datenbasis.

Fabian:Welches Datenbanksystem kannst Du empfehlen?

Alexander:Da ich sehr stark aus dem Bereich der Analytics komme, sind meine Favoriten mittlerweile In-Memory Datenbanken oder NoSQL. Diese sind unheimlich schnell und einfach umzusetzen. Was nicht bedeutet, dass die klassischen DBs langsamer sind.

Du möchtest mehr zum Thema SEO-CODE erfahren? Dann solltest Du den Vortrag von Alexander auf dem SEO-DAY , am 12.10.2017, nicht verpassen!

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