Onpage- vs. Offpage-Optimierung: SEO als Kreislauf verstehen

Könntest Du auf Dein Marketing verzichten? Nein? Und wie sieht es mit Deinem Vertrieb aus? Lass mich raten: Beides ist wichtig. Noch mehr: Beides kann nicht ohne das andere, auch wenn beide Lager das manchmal gern hätten. Ein Messestand ohne Verkäufer ist sinnlos. Und was soll ein Verkäufer tun, wenn er den Bedarf am Markt nicht kennt oder wenn er keine Leads hat, die über die Website kommen? Marketing und Vertrieb funktionieren zusammen. Bei Onpage- und Offpage-Optimierung ist es ähnlich:

Beide SEO-Schauplätze brauchen einander, sie funktionieren nicht getrennt und sind nicht zu trennen. Manche finden das Eine besonders wichtig, andere machen beides. Das ist eine Glaubensfrage und hängt auch von den eigenen Erfahrungen ab. Meine Erfahrung ist, dass Google Spezialisten belohnt. Unternehmen mit klarem Fokus im Web – dazu gehören ein stimmiger Auftritt onpage und gezielte Maßnahmen, um sich ins Gespräch zu bringen und Links zu bekommen.

Aber nicht nur Links, sondern auch Erwähnungen im Netz.

Erwähnungen im richtigen Zusammenhang zu den richtigen Themen. Wenn zum Beispiel alle Welt Dein Unternehmen im Zusammenhang mit Worten wie „Abzocke“ oder „Betrug“ erwähnt, erntest Du zwar Erwähnungen und vielleicht auch Links, aber sicher keine Lorbeeren bei Google und Zielgruppe.

Links sind nicht mehr das Allheilmittel

Ob onpage oder offpage mehr Kraft haben, ist wie erwähnt eine Glaubensfrage.

Aber auch, wer behauptet, dass er nur Offpage-SEO macht, optimiert zwangsläufig auch die eigene Website. Denn was nicht da ist, kann auch nicht ranken (früher schon. Da konnte eine fast leere Website mit genug Links zu fast jedem Keyword ranken.)

Und auch, wer behauptet, dass er nur Onpage-SEO macht, optimiert zwangsläufig auch offpage. Denn wenn ich an den Inhalten meiner Website arbeite, nehme ich Einfluss auf andere Websites und deren Inhalte. Den gezielten Einfluss nennen SEO-Leute manchmal Linkbait. Aber etwas nur wegen der Links zu veröffentlichen, ist hirnrissig. Es muss am Ende den Usern gefallen, denn für die ist die Website ja gemacht – stimmt’s?

Wie kann Onpage-Optimierung die Offpage-Optimierung voranbringen?

Wir haben zum Beispiel 2012 die erste Version der WORTLIGA Textanalyse veröffentlicht. Alles, was zu Beginn offpage lief, war eine Pressemitteilung bei PR-Gateway und beim dpa-Unternehmen newsaktuell.

PR-Gateway lieferte unsere Mitteilung an freie Presseportale wie OpenPR, newsaktuell schickte unseren Text an Journalisten und das Presseportal der dpa. Wir veröffentlichten danach ein paar Gastbeiträge, unter anderem in der Website Boosting (Print), bei t3n.de oder bei contentmanager.de. In den Artikeln ging es um Verständlichkeit von Texten und um Journalismus im Marketing – dann verließen uns die Geduld und das Interesse, weil wir nicht schnell genug Profit aus dem Tool schlugen.

Wir ließen das Projekt nebenher laufen. Zum Glück wurde es zu einem echten Selbstläufer. Als nach einigen Monaten die ersten Websites unsere Veröffentlichungen aufgriffen und über unser Tool berichteten, ging eine Lawine an Berichten über unsere Software los. Und sie rollt bis heute. Über 300 Websites, Magazine und Blogs haben über uns geschrieben und uns verlinkt.

Wir hatten den Content.

Das Tool.

Den Inhalt, der uns im Markt fest zementierte.

An diesem Beispiel siehst Du, dass Onpage- und Offpage-Optimierung zusammengehören.

90 Prozent unseres Traffics kommt auch heute noch auf das Tool. Es ist fast so, als wäre der Rest unserer Website nicht vorhanden. Die meisten Menschen kennen uns nur für unsere Software, obwohl die WORTLIGA und ihre Mitarbeiter vor allem von der Dienstleistung leben. Hätten wir unseren Offpage-Auftritt mehr gesteuert, hätte sich das vielleicht anders entwickelt. Dazu hätten wir aber auch onpage etwas tun müssen – um ein Gegengewicht zur übermächtigen Software zu schaffen.

Über Nacht zum Marktführer bei Google

Wir haben eine ähnliche Art der Optimierung auch bei unserem Unternehmen Suchkraft gemacht. Bei Suchkraft ging es um Google Maps-Optimierung für lokale Unternehmen. Und dieses Zusammenspiel aus Offpage- und Onpage-Optimierung könnte man auch einfach PR und Corporate Publishing nennen. Aber aus SEO-Sicht war es Optimierung. Die lief so ab:

Offpage haben wir vor allem Gastbeiträge veröffentlicht. Zum Beispiel haben wir einen Artikel „So dürfen Ärzte online werben“ geschrieben und den Artikel dem Deutschen Ärzteblatt angeboten. Den Artikel „Wegweiser für regionale Onlinewerbung“ boten wir der Deutschen Handwerkszeitung an. Und Selbstständig im Netz bekam den Beitrag „So nutzen Gründer das lokale Internet für mehr Bekanntheit und Kundengewinnung“. Unter jedem Beitrag standen ein paar Sätze über mich und ich bekam einen Link auf Suchkraft.com. Ein paar weitere Veröffentlichungen folgten, das war’s!

Onpage haben wir vor allem Blog-Artikel gepostet: Anleitungen, wie Unternehmer einen Eintrag in Google Places selber machen und wie die Selbstständigen ihre Einträge verwalten und pflegen. Dabei sah ich mir einfach an, welche Suchbegriffe mir Google im Suchschlitz vorschlug, wenn ich zum Beispiel Google Places dort eingab. Danach richtete ich dann meine Titel, Texte und Zwischenüberschriften aus. Ich sorgte über die Search Console (damals hieß die Software „Google Webmaster Tools“) dafür, dass die Blog-Artikel indexiert wurden und zeigte sie auf der Startseite unterhalb unserer Produkte an.

Bald rankten wir zu Begriffen wie „Firma bei Google Places eintragen“ auf Seite eins, und als ich einen ähnlichen Artikel mit dem Titel „Google Maps-Eintrag erstellen, so geht’s“  veröffentlichte, erschienen wir tatsächlich bald zum Suchbegriff „Google Maps“ auf Platz drei. Zum Teil standen unsere Artikel über den Inhalten von Google und nur der Link zu Google Maps war noch über dem Suchkraft-Blog gelistet.

Wir waren innerhalb weniger Monate mit Suchkraft und mir als Autor zu einem Google Local-Spezialist geworden, zu einer Autorität.

Google bildete einfach das ab, was tatsächlich da war: Unsere Reputation zum Thema!

Wir schufen offpage die Reputation, die wir dann mit unserem Content (onpage) abholten und nutzten. Wir schlossen den Kreis!

Ich glaube, dass wir auch mit weitaus weniger Content hätten ranken können, nur eben nicht zu so vielen verschiedenen Themen und Suchbegriffen.

Deine Suchbegriffe bestimmen, wie viel Du onpage und offpage optimieren musst

Wenn Du zum Beispiel einen Online-Shop betreibst, bestimmt Dein Sortiment, zu welchen Begriffen Du ranken willst und kannst.

Wenn Du zu „Schuhe kaufen“ ranken willst, wird es Dir nichts bringen, den ganzen Tag Blog-Beiträge über Schuhe zu posten, auch wenn Du damit zu vielen anderen Styling- und Mode-Themen Leser einsammeln kannst.

Beim Suchbegriff „Schuhe kaufen“ weiß Google, dass der Nutzer einen Shop sucht, und sich nicht nur informieren will. Das findest Du leicht heraus, indem Du das Keyword eingibst und Dir ansiehst, welche Arten von Seiten Google anzeigt.

Hier können Online-Shops mit Ratgebern Bekanntheit aufbauen.

Wie viel onpage, wie viel offpage müssen wir hier optimieren?

Wenn Du mit Onpage-SEO zum Keyword “Schuhe kaufen” nichts erreichst, musst Du mit Deinem Shop alles daran setzen, dass die ganze Welt weiß: Hier kann ich Schuhe kaufen! Ein paar versteckte Links bringen da genausowenig wie ein paar Blog-Artikel, optimierte Meta Titel und Meta Descriptions. Du musst rausgehen. Und Du musst abwägen, ob sich dieser Aufwand für Dich lohnt.

Klar, Dein Sortiment muss gut sein. Ja, Deine Seite muss schnell laden und sollte auch mobil gut erreichbar sein. Die Informationsarchitektur muss stimmen. Onpage-SEO ist auch für Dich wichtig. Aber bei dieser Konkurrenzlage brauchst Du Offpage-Optimierung, was das Zeug hält. Und damit meine ich nicht nur Links aufbauen. Ich meine Werbung, Reputationsaufbau, Bekanntheit und Traffic, viel Traffic. Links, über die keine Besucher kommen, nimmt niemand wahr, weder Nutzer noch Suchmaschinen. Und Shops, Blogs, Netzwerke und alle anderen Seiten, die groß werden wollen, müssen sich in die Herzen der Zielgruppe kämpfen.

Wenn Dein Content sich herumspricht, hast Du gewonnen: weniger Aufwand beim Offpage-SEO

Es kann aber auch andersrum laufen, wie bei der WORTLIGA Textanalyse. Wenn du es schaffst, dass Gott und die Welt über Dein Unternehmen sprechen, steckt Google Dich in eine Schublade und gibt Dir Vertrauen zu diesem Thema. Und nicht nur Google: Die meisten unserer Nutzer finden zu uns, weil jemand unser Tool persönlich empfiehlt. Ob in einem Blog-Artikel oder in einem Workshop.

Wenn Du die beste Schuh-Suchmaschine der Welt veröffentlichst; wenn Du Schuhe innerhalb von 30 Minuten lieferst; wenn Du einen völlig herausragenden Content oder Service schaffst, der Menschen außergewöhnlich nützlich ist, dann brauchst Du Dich um Deine Offpage-Optimierung nicht zu sorgen. Die Realität sieht aber meistens anders aus.

Wie viel Aufwand im SEO lohnt sich für Dein Unternehmen?

Wenn Du so einen Service auf die Beine stellst, ist Offpage-Optimierung Deine geringste Sorge. Und wahrscheinlicher ist, dass Du nicht diesen herausragenden Service, diesen völlig überwältigenden Content hast, sondern dass Dein Schuhe-Shop sich ganz bodenständig nach oben kämpfen muss.

Dann kannst Du mit guter Offpage-Optimierung das nach draußen bringen, was nach draußen gehört. Die Frage, ob Du eine gute Website mit guten Inhalten baust oder besser rausgehst und Links aufbaust, solltest Du Dir nicht stellen. Geh Dein SEO von beiden Seiten an. Es gehört zusammen und es wirkt zusammen. Wie Dein Marketing und Vertrieb.

Arbeitsfragen für ein verzahntes Offpage- und Onpage-SEO

Zum Abschluss stellen wir Dir einige Arbeitsfragen, die Dich bei den anstehenden Schritten im Onpage- und Offpage-SEO in die richtige Richtung leiten sollen. Schreib Dir bitte jede Antwort auf ein Blatt Papier und lass genug Platz, um später weitere Ideen und Notizen zu ergänzen. SEO lebt von Kreativität! Brüte einige Tage daran. Gib Deinen Ideen Raum, damit sie sich entwickeln können.

Frage 1: Wie könnte ich besonders hilfreiche Inhalte oder Angebote auf meiner Website anbieten, die es noch nicht gibt?

Dabei spreche ich nicht von altem Wein in neuen Schläuchen, sondern von Inhalten oder Angeboten, die Deiner Zielgruppe großen Nutzen versprechen. Denk an die WORTLIGA Textanalyse. Von heute auf morgen konnten Nutzer ihre Text-Fähigkeiten verbessern, ohne einen Dienstleister einzuschalten. Kannst Du mit Deiner Website einen ähnlichen Nutzen bieten? Und wie könntest Du dieses Angebot dann offpage ins Gespräch bringen?

Frage 2: Kann ich zu meinen Suchbegriffen überhaupt mit Onpage-Content ranken?

Dafür reicht eine einfache Suche auf Google. Wenn Google zum Beispiel vor allem Shops und Produktseiten zu einem Keyword anzeigt, wirst Du Dich kaum mit einem Blog-Artikel oder Wiki-Eintrag dazwischen mogeln können. Dann musst Du vielleicht Deine Keyword-Strategie ändern und auf Begriffe setzen, die Kunden bei der Recherche vor dem Kauf verwenden. Auf jeden Fall macht dann aber aus SEO-Sicht eine starke Offpage-Strategie mehr Sinn, als das Netz mit Blog-Artikeln wie „Schuhe online kaufen: So geht’s“ zu verstopfen. Das will 2019 keiner mehr wissen.

Frage 3: Was haben die Nutzer anderer Websites von Links auf mein Angebot?

Warum sollte Dich überhaupt jemand verlinken? Warum über Dich sprechen? Ganz sicher hast Du ein tolles Unternehmen, eine tolle Website und vielleicht gibt es Deine Produkte nicht überall. Aber das sind alles keine Gründe dafür, dass jemand auf Deine Seite verlinkt oder über Dich spricht. Wer könnte das überhaupt sein? Journalisten? Blogger? Andere Shops? Diskussionsteilnehmer in Foren? Warum sollten Sie über Dich sprechen? Wenn Du Gründe gefunden und gesammelt hast, baue diese Gründe aus.

Wenn Du zum Beispiel einen einzigartigen und beliebten Hilfe-Bereich rund um Funkempfänger für Hobbybastler hast, solltest Du diesen Hilfe-Bereich noch weiter ausbauen und andere Webmaster auf Deine Inhalte hinweisen.

Noch besser: Frag andere Webmaster aus Deiner Hobbybastler-Branche, ob sie einen Tipp für Dich haben, was Nutzer sonst noch häufig fragen und was Du Deinen Inhalten hinzufügen könntest. Dadurch entwickelst Du Dein Angebot weiter und machst es gleichzeitig bei diesen potenziellen Multiplikatoren bekannt. Vorschlag: Sei nicht schüchtern, telefoniere mit den Leuten. So baust Du Sympathie und Vertrauen auf und erhöhst die Wahrscheinlichkeit, dass eine neue Verbindung entstehen.

Frage 4: Welche Angebote und Inhalte auf meiner Website sind so gut, dass jemand anders sie aufgreifen sollte?

Vielleicht musst Du diese Inhalte gar nicht neu schaffen. Konzentriere Dich auf diese Highlights Deiner Website und frag Dich jetzt, welche anderen Seiten aus Deiner Branche wie gemacht dafür sind, Deine Inhalte aufzugreifen.

Mach eine Liste. Nimm diesen Seiten die Arbeit ab und schlag ihnen etwas vor. Wenn Du zum Beispiel die größte Sammlung an Chuck Norris-Witzen auf Deiner Seite hast, könntest Du in ein Fan-Forum gehen und die Nutzer auffordern, Deine Liste zu ergänzen. Natürlich stellst Du Dich und Deine Sammlung dabei inklusive einem Link auf Deine Website vor. Tipp: Achte darauf, dass die Inhalte des Forums auch ohne Anmeldung und für Google sichtbar sind. Das machst Du mit einer site-Abfrage, wie im Folgenden Bild:

 

Oder: Wenn Nutzer Dich immer wieder fragen, wie sie negative Erfahrungsberichte in Ihrem Google-Profil entfernen können, könntest Du die Erfahrungen und Meinungen verschiedener Anwälte auf Deiner Seite sammeln. „Lohnt es sich, rechtlich gegen die Erfahrungsberichte vorzugehen?“ Viele der Anwälte werden auf Dein Angebot verweisen, weil Sie herzeigen wollen, dass sie dort zu Wort kommen (wenn Deine Seite vertrauenswürdig ist). Und Du kannst sicher sein: Wenn Du eine aussagekräftige und vertrauenswürdige Quelle zu diesem Thema schaffst, werden Dich immer mehr Seiten verlinken, wenn es um dieses Thema (negative Erfahrungsberichte) geht.

Frage 5: Verdient meine Seite Links?

Je nachdem, wie weit Deine Website entwickelt ist, brauchst Du noch ein solides Fundament, um später Marketing auf anderen Seiten zu machen. Du würdest niemals Werbung schalten, wenn es das Produkt nicht gibt, richtig? Genauso solltest Du Deine Seite noch nicht ins Gespräch bringen, solange sie nicht genug für Deine Zielgruppe bietet.

Über was sollen wir schreiben?

Was ist Dein Problem? Was willst Du wissen? Schreib es uns in die Kommentare und wir werden Deine Fragen in einem der kommenden Beiträge besprechen.


Gidon Wagner

Gidon Wagner schreibt für das SEO-DAY-Magazin. Er ist Geschäftsführer der WORTLIGA GmbH, einer führenden Text-Agentur für Online Marketing-Teams. Das Unternehmen betreibt die WORTLIGA Textanalyse, mit der Autoren verständlich schreiben lernen, Texte optimieren und besser lesbar machen.

 

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