Google Ads: Finanz-Verifizierung in 24 EEA-Ländern
Google hat die Financial Services Verification für Google Ads auf 24 weitere Märkte im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) ausgeweitet. Die neuen Anforderungen treten ab dem 23. Juli 2026 in Kraft. Ziel der Maßnahme ist es laut Google, Betrug bereits vor dem Start von Anzeigen zu verhindern – mit dem Leitsatz „help stop scams before they start“. Für Performance-Marketing-Teams, Agenturen und Finanzdienstleister bedeutet das: Wer Finanzprodukte oder Finanzdienstleistungen per Paid Search bewirbt, muss den erweiterten Verifizierungsprozess durchlaufen oder riskiert Einschränkungen bei der Auslieferung.
Die Financial Services Verification ist kein neues Konzept. Google betreibt das Programm bereits in 18 Ländern weltweit, darunter in sechs EU-Mitgliedstaaten und im Vereinigten Königreich. Mit der aktuellen Ausweitung deckt Google nun jeden Mitgliedstaat der Europäischen Union und des EWR ab. Betroffen sind unter anderem Österreich, Belgien, Bulgarien, Kroatien, Zypern, Tschechien, Dänemark, Estland, Finnland, Griechenland, Ungarn, Island, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, die Niederlande, Norwegen, Polen, Rumänien, die Slowakei, Slowenien und Schweden.
Was die Verifizierung für Anzeigenkunden bedeutet
Wer Anzeigen für Finanzprodukte schaltet oder Zielgruppen anspricht, die Finanzdienstleistungen suchen, muss nachweisen, dass er von der zuständigen nationalen Finanzaufsicht autorisiert ist. Google prüft die Angaben direkt gegen offizielle Register in der EU und im EWR. Das geht über eine reine Identitätsprüfung hinaus: Es geht um die regulatorische Berechtigung, Finanzwerbung zu betreiben. Banken, Kreditgeber, Versicherer, Investmentfirmen und weitere Anbieter im Finanzsektor sind betroffen – ebenso wie Agenturen, die Kampagnen im Namen dieser Kunden verwalten.
Für Paid-Search-Verantwortliche ändert sich damit der operative Ablauf. Vor dem Hochfahren neuer Kampagnen oder der Skalierung bestehender Accounts muss der Compliance-Status stimmen. Fehlt die Verifizierung, können Anzeigen für Finanzdienstleistungen in den betroffenen Märkten nicht mehr ausgeliefert werden. Das betrifft Lead-Generierung, Brand-Kampagnen und Performance-Ziele gleichermaßen. Auch Remarketing-Listen und dynamische Anzeigenformate fallen unter die Policy, sobald Finanzdienstleistungen beworben werden.
Der zweistufige Verifizierungsprozess
Google setzt für die meisten Anzeigenkunden einen zweistufigen Ablauf voraus. Zuerst erfolgt eine Drittpartei-Verifizierung über den Compliance-Partner G2. In diesem Schritt muss der Anbieter nachweisen, dass die nationale Finanzaufsicht ihn zur Erbringung der beworbenen Dienstleistungen berechtigt oder dass eine Ausnahme greift. Nach erfolgreicher Prüfung erhält der Anbieter einen Verifizierungscode von G2.
Im zweiten Schritt reicht der Anzeigenkunde bei Google einen Antrag auf Financial Services Verification ein und nutzt dabei den Code aus dem G2-Prozess. Erst wenn beide Schritte abgeschlossen sind, gilt das Konto als verifiziert. Teams sollten Zeit für Dokumentensammlung, Rückfragen und mögliche Nachreichungen einplanen – besonders, wenn mehrere Märkte oder Tochtergesellschaften beteiligt sind.
Fristen und schrittweise Einführung
Google führt die Anforderungen phasenweise ein. Betroffene Unternehmen erhalten eine Benachrichtigung und haben anschließend 30 Tage Zeit, den Prozess abzuschließen. Wer die Frist verstreichen lässt, sieht Einschränkungen bei Finanzanzeigen, bis die Verifizierung nachgeholt ist. Für Agenturen bedeutet das: Account-Manager müssen frühzeitig mit Kunden abstimmen, welche Accounts und Märkte betroffen sind, und interne Workflows für Compliance-Dokumente etablieren.
Hintergrund: Betrugsschutz und regulatorischer Druck
Google begründet die Ausweitung mit dem wachsenden Volumen betrügerischer Finanzwerbung. Laut Unternehmensangaben hat Google weltweit bereits 327,8 Millionen nicht autorisierte Finanzanzeigen blockiert oder entfernt. Allein in der EU wurden im vergangenen Jahr mehr als 1,6 Milliarden Anzeigen blockiert oder entfernt. Das erweiterte Advertiser-Identity-Programm deckt nach Google-Angaben bereits über 98 Prozent der in der EU ausgelieferten Anzeigen ab. Die Financial Services Verification ist die nächste Spezialisierung für ein besonders sensibles Segment.
Für Marketingverantwortliche ist das keine reine Policy-News. Strengere Prüfungen können die Time-to-Market für neue Kampagnen verlängern, Budgetplanungen verschieben und Reporting-Lücken erzeugen, wenn Anzeigen plötzlich pausiert werden. Gleichzeitig schützt die Maßnahme seriöse Anbieter vor Wettbewerb durch nicht lizenzierte Akteure in den Suchergebnissen und stärkt das Vertrauen in bezahlte Finanzangebote.
| Aspekt | Details | Relevanz für Teams |
|---|---|---|
| Startdatum | 23. Juli 2026 | Rollout in 24 EWR-Märkten |
| Bearbeitungsfrist | 30 Tage nach Benachrichtigung | Verzug führt zu Anzeigenrestriktionen |
| Verifizierung | G2, dann Google-Antrag | Zweistufiger Compliance-Prozess |
| Betroffene | Finanzanbieter und Agenturen | Alle verwalteten Accounts prüfen |
Praktische Schritte für Google-Ads-Teams
Wer bereits in Märkten mit aktiver Financial Services Verification wirbt, sollte bestehende Prozesse als Vorlage nutzen. Neue Märkte erfordern eine Bestandsaufnahme: Welche Kampagnen bewerben Kredite, Versicherungen, Investments, Kryptowährungen oder andere regulierte Finanzprodukte? Welche Landingpages und Anzeigentexte fallen unter die Policy? Eine enge Abstimmung zwischen Marketing, Legal und Compliance reduziert das Risiko ungeplanter Pausen.
- Alle Finanz-Accounts in den 24 neuen EWR-Märkten inventarisieren.
- G2-Verifizierung frühzeitig starten und Dokumente der Aufsicht bereithalten.
- Google-Antrag mit G2-Code unmittelbar nach Freigabe einreichen.
- Agentur-Workflows für Kundenkommunikation und Fristenüberwachung definieren.
- Kampagnen-Backups und alternative Kanäle für Übergangsphasen planen.
Die Ausweitung der Financial Services Verification markiert einen weiteren Schritt in Googles Strategie, Paid Media in sensiblen Branchen stärker zu regulieren. Anzeigenverantwortliche, die den Prozess vor dem 23. Juli 2026 vorbereiten, sichern die Auslieferungsfähigkeit ihrer Finanzkampagnen in einem der größten digitalen Werbemärkte Europas.